Mit Mensch und Maschine

Die Stundenbücher in Papierform.

Es ist eine große Aufgabe: Jeden Tag neu das Stundenbuch zu füllen, mit den richtigen Texten für den richtigen Tag. Das Deutsche Liturgische Institut hat dafür ein besonderes Programm entwickelt.

„Wir haben vor zehn Jahren angefangen, alle Messlektionare und Stundenbücher zu digitalisieren“, erzählt Albert Josef Urban, Geschäftsführer des Deutschen Liturgischen Institut, mit dem der Katholische Pressebund die Stundenbuch-App herausbringt. Die Texte dafür kommen vom Server des Instituts – in mundgerechten Stücken: Jede Lesung, jeder Psalm, jedes Gebet, ist dort als einzelnes Element angelegt. Eine zu jedem Element gespeicherte Matrix legt fest, wie der Text dargestellt wird: Die Zeilenumbrüche, wann eine Leerzeile eingefügt wird, welche Worte eingerückt werden und so weiter. 70.000 Text(-teile) hat das Institut im System, von denen aktuell 50.000 in Stundenbüchern und Lektionaren benutzt werden.

Wenn in der Stundenbuch-App ein neuer Tag angelegt wird, sucht sich erst einmal ein Computerskript die passenden Stellen zusammen. „Das muss dann aber nochmal ein Mensch kontrollieren“, sagt Urban, „insgesamt sind das jeden Tag etwa 90 Elemente.“ Der Grund: „In der Liturgie, vor allem beim Stundengebet, ist nicht alles immer zu 100 Prozent festgezurrt, da muss oft eine Entscheidung getroffen werden. Das kann der Computer nicht.“

Manchmal knifflige Fälle

Ein ganz besonderer Fall war da der Pfingstmontag 2017, sagt Albert Josef Urban, „da sind der Pfingstmontag und das Bonifatiusfest zusammengefallen. Da stellte sich natürlich die Frage: Was wird in der Messe gefeiert? Das Bonifatiusfest ist vor allem hierzulande sehr wichtig, denn er ist ja der Apostel der Deutschen. Für den Pfingstmontag haben aber eigentlich in Deutschland die Bischöfe die Sonntagspflicht festgelegt, obwohl der Pfingstmontag in der Weltkirche gar keinen liturgischen Rang hat. Das war knifflig.“ Das Institut hat nach Abwägung aller Argumente die Lesungen der Eucharistiefeier im Sinne des Bonifatiusfestes empfohlen und in die App übernehmen lassen. Dieser Empfehlung sind aber nicht alle (Erz-)Bistümer gefolgt.

Dass alle Textteile so kleinteilig angelegt sind, hat für das Institut einen ganz entscheidenden Vorteil: „Diese Datenhaltung ist medienneutral. Und wenn ein Fehler korrigiert wird, gilt das gleich für alle Verwendungen des Textes in verschiedenen Zusammenhängen.“ Das war am Anfang mühevolle Kleinstarbeit, zahlt sich aber mittlerweile aus, so Urban: „Die Texte brauchen wir immer wieder, sei es für Messbücher, Hefte, Homepages oder die Stundenbuch-App. Und durch die Zentralisierung der Datenquelle aller digitalen Anwendungen auf unserem Server liegt alles in der einen Hand, die auch für die Authentizität verantwortlich gemacht wird.“

Albert Urban bei der Sichtung der Stundengebetstexte

Dass alle Textteile so kleinteilig angelegt sind, hat für das Institut einen ganz entscheidenden Vorteil: „Diese Datenhaltung ist medienneutral. Und wenn ein Fehler korrigiert wird, gilt das gleich für alle Verwendungen des Textes in verschiedenen Zusammenhängen.“ Das war am Anfang mühevolle Kleinstarbeit, zahlt sich aber mittlerweile aus, so Urban: „Die Texte brauchen wir immer wieder, sei es für Messbücher, Hefte, Homepages oder die Stundenbuch-App. Und durch die Zentralisierung der Datenquelle aller digitalen Anwendungen auf unserem Server liegt alles in der einen Hand, die auch für die Authentizität verantwortlich gemacht wird.

Der letzte Schritt

Doch mit der Übergabe der Texte und Regeln vom Liturgischen Institut an den Katholischen Pressebund hört die Datenaufbereitung und -verarbeitung nicht auf. Auf den Servern des Pressebundes erfolgt in einem weiteren Schritt die zweite Verarbeitung und die tagesaktuelle Zusammenstellung der Gebetszeiten und Zusatzinformationen, so dass die Texte in der App verarbeitet und dargestellt werden können. Auf diese Weise entstehen im Prozess pro Jahr insgesamt ca. 2 Millionen Datensätze, damit Sie täglich die passenden Texte zur richtigen Gebetszeit vorliegen haben.

Immer mehr Menschen nutzen die Stundenbuch-App. Um sie einfacher in der Handhabung zu machen und ihr gleichzeitig ein neues Erscheinungsbild zu geben, wurde sie umfangreich neu designed.

Illustratorin Frauke Schneider hat im Auftrag des Katholischen Pressebundes die App neu designed.

Frauke Schneider hatte eine schwierige Aufgabe: Sie musste sich in einem festgelegten Korsett etwas einfallen lassen: „Es gibt in der App für drei Abschnitte im Jahr jeweils eine Farbe, die liturgisch festgelegt ist – grün, blau und rot – “, erzählt die Illustratorin, „die konnte ich natürlich nicht ändern.“ Auch sonst hat sie sich für das Redesign erst einmal mit den bestehenden Strukturen auseinandergesetzt: „Wir haben analysiert, welche Funktionen in der App sinnvoll sind und welche nicht mehr passen. Außerdem ging es um den generellen Look der App.

Das Ergebnis

Einfachheit ist das Ziel – trotz farbenprächtiger Vorbilder: „Ich habe mir im Museum alte handgeschriebene Stundenbücher angeschaut, die mit vielen detailreichen Illustrationen ausgeschmückt sind. So schön diese alten Bücher auch sind, war dennoch schnell klar, dass dies für die App formell nicht passt. Also habe ich zugunsten der Übersichtlichkeit auf Illustrationen verzichtet.“ Auch einige bisherige Ausschmückungen fielen weg: „Bisher war die App so programmiert, dass alle Seiten wie Buchseiten aussahen und sogar das Umblättern imitiert wurde. Das ist jedoch nicht mehr zeitgemäß, daher wurden diese Funktionen ebenfalls dem digitalen Medium angepasst.

Eine doppelte Herausforderung

Für die Illustratorin war die App gleich in mehrerlei Hinsicht eine Herausforderung, denn die App-Gestaltung bedeutet eine dynamische Bewegung aus sehr praktischen Überlegungen heraus: „So eine App sieht man primär auf einem kleinen Bildschirm, da müssen die Größen und Proportionen aller Elemente genau passen. Symbole zum anklicken sollten groß genug sein, dass man sie gut erkennen und treffen kann. Gleichzeitig dürfen sie nicht zu viel Platz wegnehmen.“ 

Für Frauke Schneider ist die App durch das neue Design in erster Linie moderner geworden: „Durch die Schlichtheit tragen wir dem Medium Smartphone Rechnung und machen die App übersichtlicher – ohne überflüssige Gestaltungselemente. Die Texte stehen im Vordergrund, um sie geht es. Mit dem neuen Design kann man sie jetzt leichter lesen und beten.“